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Schweden-Törn der CCS- Jugend
28. Juli bis 5. August 2006

Ruhig liegt sie im Hafen von Stockholm; die Sarpen, eine Gaffelsketsch mit Baujahr 1892, ein Gedicht aus Segeltuch und Holz. Eben war ich noch an meinem Arbeitsplatz in der Schweiz und nun stehe ich hier am Pier und bewundere das schwimmende Schifffahrtsdenkmal. Die Sarpen war bis in die 60iger Jahre als Frachtschiff unterwegs und transportierte Zement zwischen dem Festland und den Schwedischen Inseln. Seit mehr als vierzig Jahren gehört sie der schwedischen Pfadi. Sie hat 22 Kojen an Bord und bringt jedes Jahr einigen Pfadfindern das Segeln nahe.

Schon mehrmals habe ich im Norden die stolzen Traditionssegler in den Häfen bewundert und hatte mir einen Törn auf einem solchen Schiff gewünscht. Nun ist es so weit, die eindrucksvolle Sarpen wird uns für etwas mehr als eine Woche beherbergen. Meine Crewkameraden sind schon an Bord. Obwohl alle 16 Personen aus der Schweiz durch den CCS auf dieses Schiff gekommen sind, kennen sich die meisten noch nicht.

Mit leichtem Gieren und quietschen pflügt sich die Sarpen durch die Baltische See. Endlich können wir segeln! Trotz dem Segeltraining von gestern war es uns leider aufgrund des mangelnden Windes nicht möglich, Meilen zu segeln. Unter der Anleitung der sechsköpfigen Stammcrew hatten wir es endlich geschafft, die Segel zu setzten, da war natürlich auch der Wind wieder abgeflaut.

Allein aus eigener Kraft setzen wir die schweren Gaffelsegel, auch die Fallen müssen meterweise geholt werden. Keine Winsch unterstützt uns moderne Segler, nur die Flaschenzüge mit ihren Holzblöcken erleichtern uns das Leben etwas. Es braucht vier Crewmitglieder um nur schon das Hauptsegel zu setzten. Im Moment bereitet uns das Gewirr der fielen Leinen und Falle doch noch etwas Mühe.

An Bord herrscht ein internationales Sprachengemisch. Zwar werden die meisten Befehle auf Englisch gegeben, aber bei einigen Wörtern haben wir uns für die Schwedische und auch Deutsche Variante entschieden. Denn ein Fall ist auch auf Schwedisch ein Fall. Interessant wird es bei den Wenden und Halsen, denn hier werden nur schwedische Kommandos gegeben. Nur sehr langsam ist die Sarpen bei leichten Winden dazu zu bewegen, den Kurs zu ändern. Im Moment benötigen wir noch die ganze Crew an Deck, um eine Wende einigermassen zügig zu fahren.

Morgens um 4 Uhr auf Ankerwache geniesse ich den Sonnenaufgang in einer wunderschönen Bucht im Savö Fiord. Spätestens jetzt weiss ich, warum ich nach Schweden gekommen bin. Eigentlich wollten wir beim nahen Restaurant anlegen, aber die anderen Schiffseigner konnten vom Wirt nicht dazu bewegt werden, ihre Schiffe zu verholen – für den Wirtete bedeutet das, fünfundzwanzig Bier weniger zu verkaufen. Dafür war fast die ganze Crew gestern Abend noch am Ankerplatz zum schwimmen.

Gemütlich sitzen wir auf der Pier von Figehorn, die Sarpen liegt gut vertäut nebenan. Wir geniessen den schönen 1. Augustabend. Auf dem Grill haben wir einige Spiesse zubereitet und lassen uns diese nun schmecken. Der heutige Tag wird uns nicht nur seglerisch in Erinnerung bleiben; zum Nationalfeiertag trug die Sarpen unsere Schweizerflagge auf der Steuerbordseite.

Leinen los. Segel setzten. Frederick hetzt uns auf dem Deck umher. Jeder Handgriff sitzt und die Sarpen nimmt langsam fahrt auf, wir legen unter Segel vom Steg in Karleskona ab. Zufrieden schaut unser Skipper in die Segel, in nur 10 Minuten haben wir alle Segel inklusive Topsegel gesetzt. Eine gelungene Vorstellung, die wir hier neben dem Marinemuseum gezeigt haben. Dieses Wochenende findet hier das grosse Marinefest mit vielen Schiffen statt. Auf mehrfachen Wunsch werden wir die kommende Nacht auf See verbringen. Leider scheint der Wind an diesem Tag noch zu schlafen, und so müssen wir nach dem Morgengrauen die Hilfe des Motors in Anspruch nehmen, um die Insel Hanö zu erreichen.

Es scheint, als ob uns die Windgötter auf diesem Törn nicht besonders gut gesinnt sind. Nach den ersten Tagen, in denen der Wind doch Mangelwahre war, konnten wir doch fast zwei Tage mit Segeln verbringen. Als wir eigentlich einen schönen Abend hier auf Hanö geniessen wollten, ist für morgen Starkwind mit 6 Beaufort aus Süd angesagt. Somit sind wir gezwungen, Simrishamn, den Heimathafen der Sarpen, einen Tag früher anzulaufen. Wir haben in den 10 Tagen auf See eine Strecke von 397 Seemeilen zurückgelegt, davon 120 unter Segel und 277 unter Motor. Dank Beat, unserem Koch, durften wir jeden Morgen frisches Brot geniessen. Das gemeinsame Zubereiten der Speisen und der ganze Schiffsbetrieb war in 4 Wachen zu jeweils 4 Personen eingeteilt. So hatte jeder nach 4 Stunden Einsatz auch 4 Stunden Freiwache. Die Sarpen-Crew gab sich grosse Mühe, uns die schönsten Orte in ihrem Heimatrevier zu zeigen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten für die unvergessliche Zeit auf See bedanken.

Technische Daten Sarpen:
Länge 60.3 Fuss
Breite 16.4 Fuss
Tiefgang 6.6 Fuss
Segel 215 Quadratmeter
Motor Volvo Penta MD 100 179 Kwh
Gesamtgewicht 53.55 t
Dieseltank 2000 Liter
Wassertank 2300 Liter
Herstellung 1892 Marstalbygge Dänemark
Schlafplätze 20 Kojen / 4 Hängematten
Pasagiere 50 

Bericht: Renato Schmid