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Jugendtörn auf den Balearen vom 19. bis 26. 7. 08 - Bericht einer begeisterten Segeleinsteigerin

Unsere Crew bestand aus sieben Personen, 6 Männern und einer Frau, die ganz unterschiedliche Segelhintergründe mit sich brachten. Die beiden Skipper verfügten über ein riesiges Know-how sowie breite Segelerfahrung, was sie souverän und klar handeln liess und uns das nötige Sicherheitsgefühl gab. Unser erstes tolles Erlebnis war der Einkauf der Nahrungsmittel: In nur 40 Minuten sollten wir für 7 Tage und 7 Personen alles beschaffen, was der Bauch begehrte! Wir waren zu dritt und teilten uns auf, füllten 4 volle Einkaufswagen und kamen dann  etwas verschwitzt, aber höchst zufrieden mit unserer Leistung - pünktlich am Treffpunkt an. Danach galt es, die ganze Ladung auf der Flying Swiss zu verstauen, die, wie durch ein Wunder, mit jeder Bodenluke grösser zu werden schien! Bald waren alle an Bord und wir legten vom Hafen ab. Der Wind war herrlich, er ermöglichte rasches Vorwärtskommen und bereits ein gutes Segelgefühl.
Unser Törn startete im Hafen von Palma de Mallorca. Die erste Übernachtung war in einer Bucht westlich von Palma. Am Sonntag machten wir den Schlag nach Ibiza, wo wir wieder in einer malerischen Bucht mit smaragdfarbenem Wasser ankerten. Am Abend fuhren wir mit dem Dingi ans Land und mischten uns unter die Landratten. Am Montag segelten wir der Küste entlang auf die andere Seite Ibizas. Dort fanden wir glücklicherweise einen Hafenplatz. Nach drei Tagen an Bord freuten sich alle auf eine Dusche - zudem lief der Süsswassertank bereits auf Reserve und auch der Kühlschrank und die elektronischen Geräte schrieen nach Ladung. Am Dienstag segelten wir wieder der Küste Ibizas entlang. Bereits hatten wir von starken Winden bei Menorca gehört und prompt erwartete uns dann auch bei der Suche nach einer Ankerbucht einen derart starken Schwell, dass es schwierig war, einen sicheren Ankerplatz zu finden. Dafür eröffnete dieser Seegang mein emotional stärkstes Erlebnis des Törns: Im auf- und niedergehenden Bugkorb zu sitzen, die Füsse teilweise im Wasser, Sicht auf den Sonnenuntergang und das glitzernde Wasser, die Wind gefüllten Segel in Rücken zu spüren - und einfach nur darüber zu staunen wie wunderbar das Leben sein kann ...
Am Mittwoch bereiteten wir uns auf den Nachtschlag vor, wir schliefen viel und assen tüchtig  zudem mussten noch einige Reparaturarbeiten am Mast gemacht werden, was für die Kletteräffchen unter uns ein ganz besonderes Erlebnis war! Der Nachtschlag von Ibiza nach Mallorca zurück war sicher einer der ganz grossen Höhepunkte des Törns. Das Schichtschlafen bereitete uns zwar ein bisschen Mühe; fällt es einem doch schwer, nur eine Minute von der sternenklaren nächtlichen Herrlichkeit zu verpassen! Das Navigieren nach Leuchtfeuern und vor allem den Sternen hat mir besonders gut gefallen. Die wunderbar tiefe Ruhe des Segelns bei Nacht wurde aber jäh unterbrochen als sich ein Riesentankerschiff von backbord näherte  und uns nicht zu sehen schien. Wir wichen aus, doch selbst dann fuhr es in grossem Tempo wenige Kabel an uns vorbei. Obwohl die Situation natürlich stets unter Kontrolle gewesen war, sass uns der Schrecken in den Knochen. Dies hat uns eindrücklich gezeigt, dass Vortrittsregeln nicht überall allzu ernst genommen werden.
Am Donnerstag erholten wir uns in einer Bojenbucht vom Nachtschlag, lasen auf Deck, erkundeten die Landschaft und genossen das herrliche Wetter. Am Freitag übten wir noch einige Manöver und segelten dann bei sehr lauem Wind nach Puerto Soller - was unsere ganze Motorenstundenbilanz ruinierte. Dafür lieferte uns dieser erbärmliche Rückenwind den Anlass den Spinnaker zu setzen, was dem Einstieg ins Segeln die Krone aufsetzte. Puerto Soller war ein idealer Ort den Törn zu beenden. Das malerische Örtchen mit den hübschen Restaurants und Bars ermöglichte es uns, gebührend Abschied zu nehmen und den Törn befriedigt abzuschliessen.
Das Leben auf dem Schiff bringt ja so einige Ungewohntheiten mit sich: Sei es der enge Raum, die ständige Bewegung des Schiffes, der starke Einfluss des Wetters und die Sonne sind einige davon. Es fiel uns allen aber nicht besonders schwer, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Man lernte, wann es günstig war zu kochen und wann weniger, wie man sich verhält, wenn einem mal schlecht ist und wie viel man trinken und sich eincrèmen muss, um ein gutes Wohlbefinden zu erhalten. Am Schluss hatten wir uns so gut an die Schiffsbedingungen gewöhnt, dass einige richtig landkrank waren und sich die erste halbe Stunde an Land nur schwankend fortbewegen konnten ...
In meinen Augen war der Törn ein absoluter Erfolg und eine grosse Chance auch als junger Mensch ein Segelerlebnis zu erfahren und sich dafür zu begeistern. An dieser Stelle vielen Dank an jene, die es ermöglichen, dass ein solcher Törn zum Jugendtarif statt findet. Für mich war es bestimmt nicht das letzte Mal auf einem Segelschiff, wenn er nicht sogar den Funken einer Leidenschaft in mir entfacht hat.

Bericht: Anne Kathrin Bürgin